Buch-Rezension zu „Practical Object-Oriented Design in Ruby“

POODR Ein gutes Buch über objektorientiertes Design (OOD) zu finden ist nicht einfach. Obwohl sich viele Bücher diesem Thema widmen fehlt doch immer wieder etwas: Entweder ist das Buch so theoretisch das es keinen Bezug zur Praxis hat oder die notwendige Theorie fehlt.

Practical Object-Oriented Design in Ruby“ (kurz POODR) von Sandi Metz findet den Mittelweg zwischen Theorie und Praxis. In einer direkten Sprache wird man Schritt für Schritt an die Thematik OOD herangeführt.
Auch wenn die Beispiele in Ruby sind so ist dieses Buch auch für andere Sprachen sehr zu empfehlen – das benötigte Wissen über Ruby ist minimal und schnell erklärt.

 

Wozu OOD?

Sandi Metz definiert OOD als die Art und Weise wie man Code in einem Programm anordnet. OOD ist somit nicht nur etwas für Experten sondern betrifft jeden Programmierer. Denn jeder der Code schreibt beeinflusst dessen Design.

Design is more the art of preserving changeability than it is the act of achieving perfection.

Ob eine Erweiterung später einfach einzubauen ist hängt von den heute getroffenen Entscheidungen ab. Oft fehlt aber die Erfahrung und das Wissen wie sich Entscheidungen auswirken. Dieses Buch zeigt einem wie kleine Veränderungen die Erweiterbarkeit beeinflussen und was für Vor- und Nachteile die einzelnen Ansätze von OOD mitbringen. Dies ersetzt zwar nicht das Sammeln von eigenen Erfahrungen, bietet einem aber eine gute Ausgangslage um nicht alle Fehler selber machen zu müssen.

 

Einfache Beispiele

Nach all den Banken und Blogs kommen hier Fahrräder für die Beispiele zum Einsatz. Durch die Optimierung für E-Reader sind die Beispiele recht kurz. So lässt sich der Code übersichtlich darstellen und ist als Nebeneffekt einfach zu verstehen. Im Gegensatz zu anderen Büchern kann man sich so auf die Beispiele konzentrieren und muss nicht ständig hin und her blättern.

Das entscheidende bei den Beispielen ist der Weg zum Ziel. Daher gibt es entsprechend viele kleine Schritte die ausführlich erläutert werden. Allerdings führen nicht alle Schritte in die richtige Richtung. Umwege und falsche Ansätze werden in diesem Buch ebenfalls thematisiert und erklärt.
So kann man auf wenigen Seiten Erfahrungen sammeln die bei einem richtigen Projekt Monate an Arbeit verursachen.

 

Tests

Dem Thema Tests widmet sich das letzte Kapitel. Die in den vorherigen Kapiteln erarbeiteten Beispiele werden hier nun getestet. Man sieht so rasch wie die verschiedenen Ansätze von OOD sich auf die Testbarkeit von Code auswirken.

Sehr gelungen finde ich wie die Stolperfallen präsentiert werden. Der Mock für die Tests mag noch so gut sein. Wenn sich die Klasse ändert und der Mock dies nicht mitbekommt ist zwar der Test grün aber die Software läuft nicht. Die gezeigten Lösungen sind zwar auf dynamisch typisierte Programmiersprachen ausgerichtet, können aber auch bei C# beim Erkennen von Veränderungen helfen.

 

Was fehlt

Die gewählten Beispiele sind alle recht kurz und meist weniger als 100 Zeilen lang. Auch wenn kurze Klassen und Methoden anzustreben sind so ist die Realität doch oft anderes. Ein längeres Beispiel bei dem man mittels OOD Ordnung hinein bringt hätte ich sehr begrüsst.

 

Weitere Informationen

Wer sich für OOD interessiert aber nicht gleich ein Buch dazu lesen will wird auf Confreaks fündig. Dort gibt es als Video abrufbare Präsentationen von Sani Metz die einzelne Konzepte aus dem Buch aufgegriffen.

Wer lieber Podcasts hört findet in Episode 87 von Ruby Rogues eine ausführliche Buchbesprechung mit zahlreichen Tipps rund um OOD die im Buch keinen Platz gefunden haben.

 

Fazit

POODR ist ein angenehm zu lesendes Buch das sehr viel Wissen vermittelt. Obwohl ich mich schon länger mit OOD beschäftige konnte ich hier ganz neue Aspekte kennen lernen. Die Beispiele sind so einfach das man davon nicht abgelenkt wird und doch komplex genug um all die verschiedenen Möglichkeiten zu erklären.

Für mich ist dieses Buch definitiv ein „Must Read“ für alle die sich mit Software-Entwicklung beschäftigen.

 

Zum Buch

Practical Object-Oriented Design in Ruby“ von Sandi Metz, 2012 Addison-Wesley Professional, ISBN: 978-0-3217-2133-4, 272 Seiten, Englisch

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