Buch-Rezension zu „Jenkins – The Definitive Guide“

Jenkins – The Definitive Guide” von John Ferguson Smart erschien im Juli 2011 bei O’Reilly. Jenkins ist ein in Java geschriebener Build-Server der von Nightly Builds bis zu Continuous Deployment alles abdecken kann.

[Hinweis: Ich habe dieses Buch über die .Net User Group Bern erhalten, die am User Group Programm von O’Reilly teilnimmt. Wie immer wenn ich über Bücher blogge schreibe ich was mir daran gefällt und was nicht. Dies mache ich unabhängig davon ob ich ein Rezensionsexemplar bekomme oder das Buch selber kaufe.]

 

 

Hudson oder Jenkins?

Ursprünglich war der Build-Server unter dem Namen Hudson bekannt. Nachdem die Spannungen zwischen Oracle (dem Inhaber der Namensrechte) und den Entwicklern immer grösser wurden gab es Anfang 2011 einen Fork. Die meisten Entwickler entschlossen sich das Projekt unter dem Namen Jenkins fortzuführen.

Die meisten Punkte die im Buch erklärt werden gelten sowohl für Jenkins wie auch für Hudson. Da Jenkins aber immer noch jede Woche eine neue Version heraus gibt und Hudson nur alle 1 bis 2 Monate, werden die Projekte langsam aber sicher auseinander laufen. Wer über eine Migration von Hudson nach Jenkins nachdenkt sollte diese möglichst zügig angehen. Wer neu startet und den Support von Oracle nicht benötigt kann gleich mit Jenkins anfangen.

 

Von Nightly Builds zu Continuous Delivery

Continuous Integration (CI) ist mittlerweile ein Begriff mit vielen Definitionen. Für die einen ist CI erreicht wenn man einen Nightly Build hat, für die anderen erst wenn damit auch bei jedem Check-in alle Tests ausgeführt werden. Smart zeigt zu Beginn des Buches dass dies kein Wiederspruch ist. Vielmehr sind es einzelne Phasen in der Verwendung von CI. Er gliedert diese so:

  1. Kein Build Server – Entwickler bauen alles auf ihren eigenen Geräten
  2. Nightly Builds – 1x pro Nacht wird alles auf einem zentralen Server gebaut
  3. Nightly Builds und erste automatisierte Tests nach jedem commit
  4. Erste Schritte mit Code Metriken (wie Testabdeckung und Qualitätskontrolle)
  5. Test-Driven Development und automatisches deployment auf Testsystem
  6. Automatisierte Akzeptanztests und Möglichkeit fürs deployment auf Produktion
  7. Continuous Deployment – wenn alle Tests bestanden sind wird automatisch auf die Produktion deployt

Man muss weder alle Phasen durchlaufen noch diese Reihenfolge einhalten. Hat man das fürs Projekt notwendige umgesetzt kann man jederzeit aufhören – ein automatisches Deployment ist keine Pflicht.

 

Erste Schritte, Installation und Konfiguration

Das Buch führt einem durch alle Schritte die nötig sind um Jenkins zu installieren und in Betrieb zu nehmen. Neben den verschiedenen und plattformspezifischen Installationsmöglichkeiten wird erklärt wie man Jenkins dazu bekommt mit den gängigsten Versionsverwaltungssystemen (wie Subversion, Mercurial, Git und CVS) zu kommunizieren und E-Mails zu verschicken. Letzteres ist besonders dann wichtig, wenn der Build fehlschlägt – sonst bleibt dies bis zum Release unbemerkt…

 

Build Jobs und automatisches Testen einrichten

Das Kapitel zum aufsetzen der Build Jobs lässt keine Fragen offen. Hat man die Arbeitsschritte mit einem Build-Tool wie Ant oder Maven bereits automatisiert kann man die entsprechenden Projektvorlagen nutzen und braucht nur die jeweiligen Kommandos einzutragen. Es wird aber auch erklärt wie man all die Schritte selber konfigurieren kann, was gerade für Projekte in .Net oder Ruby sehr hilfreich ist.

Die Jobs können zu bestimmten Zeiten, manuell oder nach jeder Änderung in der Versionsverwaltung starten – für alles gibt es wiederum eine detaillierte Anleitung um Jenkins entsprechend einzurichten.

Bei den automatischen Tests will man in der Regel eine Antwort auf 2 Fragen:

  1. Sind alle Tests erfolgreich?
  2. Wie viel Code wird von meinen Tests abgedeckt?

Jenkins führt die Tests aus und gibt die Resultate an Plugins weiter die sich um die Analyse und die grafische Aufbereitung der Resultate kümmern. Auch deren Konfiguration und Einbindung in die Jobs wird wiederum ausführlich erklärt.

 

Jenkins absichern und verteilte Builds

Nach den grundlegenden Themen die jeder Jenkins Benutzer benötigt geht das Buch auch auf weiterführende Themen ein. Hat man nur eine kleine Gruppe die mit Jenkins arbeitet wird man oft nicht gross über Zugangsbeschränkungen nachdenken. Wird dies ein Thema bietet Jenkins dazu verschiedenste Möglichkeiten an, sogar eine Anbindung an Active Directory ist machbar und wird von Smart beschrieben.

Ob man verteilte Builds nutzen will hängt ebenfalls vom Anwendungszweck ab. Dabei ist nicht alleine die nötige Geschwindigkeit eines Servers ausschlaggebend. Der Bedarf nach unterschiedlichen Konfigurationen kann ebenfalls dafür sprechen. Im Buch wird als Beispiel die Durchführung von Integrationstests mit verschiedenen Datenbanken auf verschiedenen Applikationsservern durchgespielt.

 

Build-Tool zur Vereinfachung

Über das ganze Buch hinweg sieht man immer wieder wie kompakt die Konfiguration von Jenkins ist wenn man auf ein Build-Tool wie Maven zurückgreifen kann. Die zusätzliche Konfiguration in Maven ist sehr oft kleiner als was man bei Jenkins einstellen muss um das gleiche Resultat zu erzielen.
Da jeder Entwickler mit dem Build-Tool die gleichen Befehle lokal ausführen kann gibt es nach dem commit auch keine Überraschungen.

Daher sollte man vor man Aufbau eines Build-Servers fragen ob man nicht zuerst die Konfiguration für ein Build-Tool erstellen will. Dieser zusätzliche Aufwand kann sich schnell auszahlen.

 

Braucht es für Jenkins wirklich ein Buch?

Das GUI von Jenkins ist sehr übersichtlich und mit der Online-Hilfe kommt man sehr weit. Wenn man ein Java-Projekt hat das bereits Ant oder Maven nutzt kann man sehr schnell und einfach zu ersten Erfolgen kommen – auch ohne Buch.

Ich nutze Jenkins/Hudson seit mehreren Jahren sowohl für kleine Java-Projekte wie auch für ein grosses Kundenprojekt in .Net. Das Buch lieferte mir etliche Anregungen um die alltäglichen Arbeiten einfacher zu erledigen. Ein klein wenig mehr Aufwand und die Konfiguration ist deutlich flexibler als das was ich in den Jahren des Anwendens selber heraus getüftelt hatte. Für komplexe Aufgaben (wie die verteilten Builds oder eine AD-Anbindung) konnte ich etliche Anregungen holen.

Das Buch ist meiner Meinung nach sehr gut um sich schnell in Jenkins einzuarbeiten. Man kann vom grossen Wissen des Autors profitieren und hat ein kompaktes Nachschlagewerk zu allen Belangen von Jenkins.

 

Was fehlt

Ich hätte gerne noch mehr Informationen zur Konfiguration für Nicht-Java Projekte gehabt. Das Buch hilft einem bei den ersten Schritten, doch weiterführende Teile fehlen danach leider. Nicht jeder will (oder kann) Maven und Ant nutzen. Mehr Informationen und Beispiele zu anderen Build-Tools hätte ich ebenfalls sehr begrüsst.

Leider sind die Konfigurationsbeispiele nicht einzeln herunterladbar. Auf der Webseite des Autors gibt es dafür das ganze Buch als PDF (Open Book mit Creative Commons Lizenz). Über diesen Umweg kommt man dann doch noch an die Beispiele.

 

Fazit

Das Buch bietet sowohl für Neulinge wie auch für fortgeschrittene Nutzer von Jenkins viele Tipps und Praxiswissen um einen Build-Server aufzubauen und ins Entwicklungsprojekt zu integrieren. Wer sich mit Jenkins beschäftigen will sollte unbedingt einen Blick ins Buch werfen.

 

Zum Buch

Jenkins – The Definitive Guide“ von John Ferguson Smart, 2011 O’Reilly, ISBN 978-1-449-30535-2, 406 Seiten, Englisch