Buch-Rezension zu „The Economics of Iterative Software Development“

The Economics of Iterative Software Development – Steering Toward Better Business Results“ von Walker Royce, Kurt Bittner und Mike Perrow erschien 2009 bei Addison Wesley. Ein Buch über den wirtschaftlichen Wert von iterativen Vorgehensmodellen bei der Software-Entwicklung tönt interessant. Und mit unter 200 Seiten erwartete ich eine kurze, aber doch fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema.

 
Klein – aber fein?
Bei dem geringen Umfang war mir klar, dass ich keine grosse theoretische Abhandlung erwarten konnte. Die 3 Autoren haben fundierte Kenntnisse in der Projektführung und sind mit RUP(Rational Unified Process) bestens vertraut – einer war sogar bei der Entstehung massgeblich beteiligt. Bei diesem Hintergrund erwarte ich einerseits Werbung für RUP und andererseits eine praxisbezogene Darstellung wie man zu den besseren Resultaten kommt.

 
Ein schöner Vergleich
In der Einleitung wird die Planung eines Software-Projekts mit der Planung einer mehrmonatigen Reise verglichen. Dort wird man zu Beginn nur grob die wichtigsten Stationen planen und erst vor Ort sich mit Details wie dem Mittagessen oder der Parkplatzsuche beschäftigen. Mir hat dieser Vergleich sehr gefallen, da dieser mit wenigen Worten die Sache auf den Punkt bringt. Leider ist dies das Highlight des Buches.

 
Aktuell ja, aber zeitgemäss?
Die Resultate vom CHAOS-Report 2007 zeigen, dass dieses Buch nicht all zu alt ist. Hätte man den dazugehörigen Abschnitt weggelassen, könnte man als Leser auf die Idee kommen, das Buch stamme aus dem letzten Jahrtausend.

Wäre das Buch vor 20 Jahren erschienen, hätte man viele der Ideen aus dem Buch wohl als Meilenstein bezeichnen können. Iteratives Vorgehen gab es schon vorher, aber nun hätte man ein Buch gehabt das diese Vorgehensmodelle mit einem Mehrwert fürs Geschäft kombiniert.

Aber schon vor 10 Jahren hätte man mit den Ideen nicht mehr wirklich viel Beachtung erhalten. Der Trend zeigte schon stark in Richtung der agilen Methoden (wie XP). Wer sich vom Wasserfall aber erst in Richtung iterative Methoden verabschieden wollte, hätte damit doch noch einiges anfangen können.

Da das Buch aber 2009 erschienen ist, muss man es auch danach bewerten. Und das sieht schlecht aus. Die Probleme mit dem Wasserfall-Modell sind in jedem halbwegs brauchbaren Fachbuch in unzähligen Varianten beschrieben worden. Gleiches gilt für Iterative Vorgehensmodelle sowie deren Vorteile und wie man diese Einführt.

Es scheint fast als ob man irgendwo ein verstaubtes Manuskript gefunden hätte und dies nun doch noch veröffentlichen wollte.

 
Fazit
Das Buch war für mich nach der Einleitung ein kompletter Reinfall. Den Autoren gelingt es trotz ihrer Praxiskenntnisse nicht, ihre Ideen und Thesen (messbar) zu belegen. An Zahlen fehlt es nicht, aber woher die kommen und was man da eigentlich gemessen hat bleibt im Dunkeln.

Wer sich für das Thema interessiert, sollte sich „Was man nicht messen kann…“ von Tom DeMarco anschauen. Dies ist trotz seines Alters noch immer ein Must-Read. Wer es gerne kürzer hätte, sollte sich unbedingt den Blogpost von Trond Wingard anschauen.

 
Zum Buch
The Economics of Iterative Software Development – Steering Toward Better Business Results“ von Walker Royce, Kurt Bittner und Mike Perrow, 2009 bei Addison Wesley, ISBN 978-0-321-50935-2, 192 Seiten

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