TechDays 2010 in Basel

Am 6. und 7. April durfte ich die TechDays in Basel besuchen. Nachdem die letztjährigen TechDays bei uns während Wochen für Gesprächsthemen sorgten, freute ich mich auf 2 interessante Tage.

 
Keynote: eine verpasste Gelegenheit
Die TechDays starteten allerdings nicht gerade vielversprechend. Wir waren ein wenig zu früh in Basel und mussten draussen aufs öffnen der Türen warten. Nach einem Kaffee und einem ersten Rundgang durch die Ausstellerstände begann die Keynote. Neben einigen Informationen rund um die TechDays (dieses Jahr nahmen 1100 Personen teil) startete der Hauptteil über visuelle Filmeffekte.

Christoph Ammann versuchte dieses an sich spannende Thema zu präsentieren. Dies gelang allerdings nicht wirklich. Anhand vom Endprodukt in HellBoy 2 zeigte er was sie gemacht hatten. Uns wurden zwar einige Filmausschnitte (ohne Ton) gezeigt, doch was alles dahinter steckt wurde nur angetönt. Es war so oberflächlich, dass man es auch hätte sein lassen können. Zudem wirkte der ganze Vortrag unvorbereitet.

Die Keynote endete mit der Verleihung des .NET Swiss Innovation Awards. Die ausgezeichneten Applikationen nutzten Silverlight, WPF, Azure, WCF oder am besten alles zusammen. Microsoft konnte zeigen, dass es produktionsreife Produkte gibt, die auf diese „neuen“ Technologien setzen.

 
Silverlight
Ein grosses Thema an den TechDays war Silverlight. Ronnie Saurenmann war einmal mehr super. Seine Präsentation „Silverlight 4 Overview: The key Microsoft UI technology“ wie auch „Silverlight 4 Advanced“ waren kurzweilig und boten eine hohe Informationsdichte. Zudem gab es sehr viel zu lachen, was bei einer solchen Veranstaltung nicht alltäglich ist. Es gibt eine neue DeepZoom-Anwendung von Ronnie für das Kunsthaus.

Silverlight ist mit Version 4 bereit für Geschäftsanwendungen (Line of Business – oder kurz LOB). Das DataGrid, die RIA-Services und der Designer in Visual Studio 2010 sind nun fertig und werden in Kürze veröffentlicht.

 

WPF
Bei all der Aufmerksamkeit für Silverlight kam WPF ein wenig kurz. Nur eine Session beschäftigte sich mit den Neuerungen von Version 4. Endlich gibt es aber auch da ein DataGrid und einen DatePicker, die man nicht mehr aus dem Toolkit holen muss. Die Schrift soll nun auch endlich besser steuerbar sein. Die Unschärfe beim scrollen oder während einer Animation könnten somit endlich der Vergangenheit angehören. Auch das DataBinding wurde cleverer. Ein setzen des aktuellen Werts soll nun das Binding nicht mehr entfernen.

Microsoft will nun WPF (und auch Silverlight) auch für LOB-Anwendungen pushen. Bisher lag das Augenmerk vor allem auf den grafischen Spielereien die damit möglich sind. Das DataGrid und die weiteren neuen Controls sind dafür eine Notwendigkeit. Bleibt nur die Frage wieso dies nicht schon mit der letzten Version angegangen wurde. Gerade das Grid ist doch wirklich unverzichtbar.

 

Azure
Ein weiteres sehr grosses Thema war Azure. Cloud Computing wächst und wird immer wichtiger. Mittlerweile gibt es auch in Europa ein Datacenter. Somit müssen die Daten nicht mehr über Nordamerika geholt werden.

Die Präsentation „Learn how to build your first .NET application for the Cloud using Windows Azure“ zeigte wie einfach das deployment in die Wolke ist. Eine Datenbank wird über einen gewöhnlichen Connection-String angesprochen. Die ganzen Zusatzservices wie die gespiegelten Datenbanken sind transparent dahinter „versteckt“. Für den Entwickler spielt es somit fast keine Rolle, worauf er sich nun verbindet.

 
MIX, Entity Framework und TFS
Sascha P. Corti steckte einem mit seiner Begeisterung auch diesmal wieder an. Seine Zusammenfassung der MIX zeigte viele Neuerungen bei Microsoft. Der IE 9 wird endlich SVG anzeigen können und rendert so schnell wie derzeit kein anderer Browser. Wird auch endlich Zeit mag da mancher denken. Gerade bei SVG musste man ja lange genug warten.

Das Pivot Control gibt es derzeit nur für WPF. Hoffentlich kommt das auch bald für Silverlight. Was auf der Demo wie eine Spielerei aussieht könnte enorm praktisch bei der Visualisierung grosser Datenmengen sein. Ebenfalls sehr interessant tönt oData. Dies ist quasi ein RSS für Daten. Nur können Daten damit auch erzeugt und verändert werden. Ich bin sehr gespannt wie sich dies entwickeln wird.

Auch beim Entity Framework gibt es in Version 4 zahlrieche Verbesserungen. Ein lazy loading ist nun ebenso möglich wie die Einflussnahme auf die generierten Entitäten. Mittels der Template Engine T4 kann man seine Entitäten nach Belieben umschreiben lassen.

Der Team Foundation Server wartet mit einer ganzen Reihe von Verbesserungen für das Requirements- und Projektmanagement auf. Der Vortrag von Neno Loje dazu war ebenfalls spitze. Die teils sehr zynischen Bemerkungen sorgten für einen würdigen Abschluss der TechDays.

 
Was enttäuschte
Auch wenn mir die TechDays zum grossen Teil gut gefielen, so gibt es auch Punkte und Vorträge, die mich enttäuscht haben.

„RIA Services: Geschäftsorientierte Anwendungen mit Silverlight 4“ von Laurent Bugnion war so eine Präsentation. Von einer Session die sich an Experten richtet erwarte ich deutlich mehr als das vorzeigen des Hands-On Lab von Microsoft zu Silverlight RIA Services. Auf dies lief die ganze Präsentation am Ende leider hinaus. Dabei hätte es zu RIA Services etliches zu erzählen gegeben: Kompatibilität zwischen Versionen, Upgrade-Szenarien oder wann man eigentlich auf RIA-Services setzen soll und wann nicht. Doch all dies fehlte.

Fürs nächste Jahr sollte sich Microsoft überlegen, ob man wirklich alle 5 parallelen Sessions immer gleichzeitig in die Mittagspause lassen will. Wenn 1100 Leute an der Essensausgabe warten kann sich jeder die Schlangen vorstellen. Es gibt sicher einige Sessions die nach 45 Minuten fertig wären und auch solche, die gerne noch 15 Minuten anhängen würden. Diese Staffelung zusammen mit einem Küchenteam das dann auch bereit ist würde das alles deutlich angehemer machen. Grössere Teller würden ebenfalls den ganze Essensdownload beschleunigen…

Das Abschiedsgeschenk muss ich hier ebenfalls erwähnen. Beim Verlassen am Mittwoch gab es für jeden Teilnehmer noch einen Seesack. Dieser war gut gefüllt mit all der Werbung, die man einem die letzten 2 Tage an den Ausstellerständen schon in die Hand gedrückt hat. Ich behielt nur die Broschüre zum Azure-Wettbewerb. Der Rest landete zusammen mit dem fürchterlich stinkenden Seesack in der runden Aktenablage. Das „Geschenk“ sollte man vor der nächsten Veranstaltung bitte ebenfalls überdenken.

 
Fazit
Wenn man in den richtigen Sessions war, hat man sehr viel lernen können und die 2 Tage sind wie im Flug vergangen. Hat man aber Pech und sass in den „falschen“ Sessions, waren die TechDays alles andere als interessant (Siehe das Fazit von Dani Meier).

Mir hat es gefallen und ich konnte viele neue Ideen mitnehmen. Fürs nächste Jahr sollte Microsoft aber über die Bücher. Sich für 520.– an einem Glücksspiel um die richtigen Sessions zu beteiligen kann ich meinem Chef nicht wirklich vermitteln. Zumal mit der Shape im Herbst eine Konkurrenzveranstaltung aus dem gleichen Haus ansteht.

3 Gedanken zu „TechDays 2010 in Basel“

  1. Hey
    Finde super was du geschrieben hast.
    Ich muss dir in allen Punkten recht geben.

    Was ich noch fragen wollte, weisst du wann die verlosung vom Azure-Wettbewerb stattfindet?

    Freundliche Grüsse

    Moe

    1. Hallo Moe,
      Auf der Rückseite der Broschüre zum Azure-Wettbewerb steht der 26.4.2010 als Datum der Preisverleihung. Allerdings findet sich zum Wettbewerb derzeit keinerlei Infos im Web. Ev. geht es wie bei den Videos und es dauert 1-2 Wochen länger…

      Gruss Johnny

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