Buch-Rezension zu „Windows Presentation Foundation .NET WPF“

Windows Presentation Foundation .NET WPF“ von Jörg Wegener erschien im Dezember 2008 bei HANSER. Es behandelt die neue Technologie von Microsoft für die Entwicklung von Benutzeroberflächen in .Net. Die Buchrückseite preist das Buch als Leitfaden für den praktischen Einsatz. Im Mittelpunkt stehe weniger das „Was“, als vielmehr das „Wie“. Entsprechend freute ich mich auf ein hilfreiches Praxisbuch.

 
Der Inhalt
Die Einführung beschreibt die Hintergründe von WPF und wieso Microsoft eine neue Benutzerschnittstelle entwickelt hat. Klar und Verständlich werden die Vorteile der Vektorgrafik dargelegt. Das Kapitel zur Extensible Application Markup Language, kurz XAML, ist ebenfalls sehr gut gelungen. Mit wenig Worten gelingt es Wegener aufzuzeigen, wie die einzelnen Teile ineinander greifen.

Im Kapitel Layout werden die einzelnen Möglichkeiten zur Gliederung der Oberflächen vorgestellt. Hat man schon mit Java grafische Oberflächen entwickelt, kommen einem die Layouts sehr bekannt vor. Die Namen mögen stellenweise anders sein, die grundlegende Funktionsweise ist aber fast identisch.

Die Verwendung von Styles und Templates ist sehr mächtig und wird eingehend beschrieben. Das Thema Databinding findet ebenso Platz wie 2D-Grafiken und Multimedia. Ebenfalls angesprochen werden 3D-Grafik, Animationen, eigene Steuerelemente, Dokumente und Drucken. Es hat auch noch Platz für Mehrsprachigkeit und Browseranwendungen. Bei letzterem merkt man aber wie schnell die Zeit vergeht. Bei der Erstellung des Buches war Silverlight ein mit JavaScript angereichertes XAML. Entsprechend kurz ist der Abschnitt dazu. Heute käme man damit nicht mehr durch.

 
Die Schwächen
Die durchwegs positiven ersten Kapitel werden leider zu schnell durch die Fehler getrübt. Das fängt bei kleinen Buchstabendrehern an und geht dann richtig los. Nicht zum Text passende Grafiken (wie Abbildung 6.5) gehören zu den kleineren Fehlern. Zu oft ist die Nummer falsch oder die Grafik fehlt ganz. Das beschränkt sich leider nicht auf ein Kapitel, sondern verteilt sich quer durch das ganze Buch. Wenn gar auf falsche Kapitel verwiesen wird, stellt sich mir schon die Frage, ob das Buch vor dem Druck geprüft wurde.

Dagegen sind falsche Variablen in den Listings schon fast wieder Kleinigkeiten. (Als Beispiel: in 14.15 wird die Variable document initialisiert, aber doc verwendet.) Für ein Praxisbuch unhaltbar sind die vielen falsch betitelten Eigenschaftsfelder. Wenn man schon bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf den grossen Praxisnutzen des Buches hinweisen muss, darf so etwas nicht in dem Umfang passieren. Das Errata ist schon jetzt viel zu gross und man findet problemlos noch weitere Fehler.

Neben diesen ganz klaren Fehlern gibt es noch etliche Punkte, über die man debattieren könnte. Ich fand die unzähligen Füllsätze und wiederholende Abschnitte mühsam. In Kapitel 9 bei Multimedia findet sich dieser Satz:

Eine Alternative wird aber am Ende des Kapitels beschrieben.

Dieses Ende des Kapitels folgt ein Hinweisblock später. Den Verweis streichen, den Hinweisblock an einer passenderen Stelle platzieren und man könnte gleich hier die Alternative beschreiben. Dies würde das Buch aber um 2 Seiten kürzen…

Das Kapitel zu 3D-Grafik wurde wohl nachträglich umgestellt. Sowohl bei Kamera wie auch bei Licht wird erwähnt das diese gleich wie 3D-Modelle hinzugefügt werden. Allerdings werden die 3D-Modelle erst ein Kapitel später vorgestellt. Ich würde da eher eine andere Abfolge der Beschreibung wählen oder einen Hinweis aufs entsprechende Kapitel liefern. So blättert man zurück und sucht das Kapitel. Hätte ja sein können das man es überlesen hat.

Das komplexe Figuren in 3D immer auf Dreiecke zurück zu führen sind, wird ebenfalls immer wieder erwähnt. Ein entsprechendes Beispiel kommt aber ebenfalls erst bei 3D-Modellen hinterher. Bis das dann endlich als Grafik gezeigt wird, hat man es 3 mal in Textform erklärt. Ist dies wirklich nötig?

Bei der Mehrsprachigkeit zeigt man in Abbildung 15.1 die unterschiedliche Darstellung von arabischem Text und Zahlen, je nach Einstellung des umgebenden Controls. Allerdings wird man es per Sprachumstellung nie auf diese Ausgabe bekommen. Die beiden Summanden wurden in der 2. Zeile vertauscht. Ein weiterer kleiner Fehler, den es nicht gebraucht hätte.

 
Gesucht: Beispiel mit Praxisbezug
Was ich bei dem Buch aber am meisten vermisse, ist ein grösseres Beispiel mit Bezug zur Praxis. Es gibt zwar unzählige kleine Beispiele, aber die haben alle die Grössenordnung von 2-3 Controls. Unzählige kleinste Teile werden beschrieben und erklärt. Es fehlt aber der Schritt, an dem man diese nimmt und zu einer Anwendung kombiniert.

Ansätze davon sind sogar vorhanden. Es wird häufig ein Customer-Objekt dargestellt. Statt immer wieder zu erwähnen das man auf das nicht weiter eingeht, hätte man eine kleine Kundenverwaltung aufbauen können. XML zur Datenspeicherung wird bei Databinding erklärt, ebenso hat man dort schon das GUI um den Kunden anzuzeigen. Ein klein wenig mehr Aufwand und man hätte den so oft gepriesenen Praxisnutzen. So aber hat man einen Haufen Einzelteile, der nicht wirklich einen Mehrwert gegenüber der Dokumentation im MSDN bietet.

 
Fazit
Zu viele Fehler, zu viel „Füllmaterial“ und zu wenig Praxisnutzen. Die Ansätze sind gut, die ersten Kapitel wie erwähnt sehr gelungen. Doch sobald die spannenden Teile von WPF behandelt werden, geht es qualitätsmässig nur noch hinunter. Leider.

Natürlich bin ich von Manning und der „In Action“-Serie enorm verwöhnt. Aber dennoch: Mir genügt es nicht, dass der Text in besserem Deutsch geschrieben wurde als es die automatische Übersetzung von MSDN hin bekommt. Zumal es MSDN schafft, die Felder korrekt zu benennen und praktische Beispiele zu liefern.

Die Grundlage für ein gutes Buch wäre an sich vorhanden. Mit ein wenig mehr Aufwand, besserer Qualitätskontrolle und grösseren Praxisbeispielen könnte man aus dem Buch sehr viel machen. Vielleicht nutzt man die Chance beim bald erscheinenden WPF 4.

Das wäre, könnte und sollte kann ich aber hier nicht berücksichtigen. Es ist nun mal nicht da und das was da ist, ist kein gutes Buch. Ich bin sehr enttäuscht und werde vor allem die vielen Fehler in Erinnerung behalten. In der aktuellen Form ist es für mich das Geld schlicht nicht wert. Auf das Buch dann auch noch den Stempel „Kompetenz gewinnt“ zu setzen grenzt schon an Frechheit.

 
Zum Buch
Windows Presentation Foundation .NET WPF – Grafische Benutzerschnittstellen mit .Net 3.5“ von Jörg Wegener, 2008 HANSER, ISBN 978-3-446-41041-1, 566 Seiten

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