Buch-Rezension zu „Pragmatic Thinking & Learning“

Pragmatic Thinking & Learning – Refactor Your Wetware“ von Andy Hunt erschien im September 2008 bei The Pragmatic Programmers. Andy Hunt geht der Frage nach, wie unser Gehirn arbeitet und was dies für Auswirkungen auf unser Denken und Lernen hat. Obwohl das Buch von einem Programmierer geschrieben wurde, ist es nicht nur etwas für Programmierer.

Der wichtigste Grundsatz des Buches ist der L-Mode und der R-Mode des Gehirns. Die rechte Gehirnhälfte kümmert sich demnach um Intuition, Bilder, Emotionen und die Kreativität, während die linke Hälfte für die Logik und das rationale und analytisches Denken da ist. Um effizient mit unserem Gehirn zu arbeiten, brauchen wir beide Seiten.

Eine andere Grundthesen des Buches bezieht sich auf das Dreyfus-Modell mit den 5 Ebenen des Erwerbs und der Entwicklung von Fähigkeiten. (Das Modell wurde unter anderem auch in der Krankenpflege angewandt). Die 5 Stufen gliedern sich so:

  1. Anfänger
  2. Fortgeschrittener Anfänger
  3. Fachliche Kompetenz
  4. Erfahrung
  5. Experte

Je nach Stufe lernt man anders. Daher ist es wichtig, dass man sich im klaren ist, auf welcher Stufe man sich befindet.

Das Buch hat 48 Tipps rund ums lernen und arbeiten. Einige sind sehr allgemein, andere spezifisch wie die Verwendung zweier Monitore für die Arbeit am PC. Mir selber haben vor allem die 4 folgenden Ideen gefallen.

 
Morning Pages
Morning Pages sind eine Technik, die von den Schriftsteller kommt. Man schreibt jeden Morgen als erstes mindestens 3 Seiten über das, was einem einfällt. Wichtig ist, das man einfach drauflos schreibt, ohne die Gedanken zu filtern. Wichtig ist, das man es wirklich als erstes am Morgen macht. In der Regel ist man da noch nicht ganz wach und das Unterbewusstsein hat es einfacher, einem Ideen zu liefern. So entsteht quasi ein Brain Dump.

In meinen letzten Ferien habe ich dies versucht und war vom Ergebnis erstaunt. Ich blieb zwar unter den 3 Seiten, aber es half doch enorm, meine Gedanken zu sortieren. Ideen die ich hatte sind nun aufgeschrieben und gehen nicht verloren. Umgesetzt ist damit natürlich noch nichts. Aber ich kann darauf aufbauen und muss nicht immer wieder von vorne beginnen. Es half mir auch beim loslassen. Einige Gedanken die mir vorher immer wieder kamen und über die ich recht lange nachdachte, haben sich seit dem aufschreiben quasi „erledigt“.

Derzeit bin ich noch auf der Suche nach einem für mich passenden Ansatz, um die Morning Pages auch während der Arbeitswoche zu schreiben.

 
Smarte Ziele
Bei einer schier unlimitierten Anzahl an Möglichkeiten muss man seine Ziele klug auswählen. SMART kann einem dabei sehr helfen. Die Abkürzung steht für Specific, Measurable, Achievable, Relevant und Time-Boxed. Man will innerhalb einer bestimmten Zeit eine bestimmte Sache erreichen. Dieses Ziel muss erreichbar, relevant und vor allem auch messbar sein.

 
Mind Maps für die Entwicklung
Mind Maps sind nichts neues. In den letzten 15 Jahren waren Mind Maps immer wieder ein Thema. Sei dies an der Schule, während der Lehre oder auch am Tech – immer wieder wurden Mind Maps als Lösung für alles Mögliche angepriesen. Bisher hat mich das jeweils nicht wirklich überzeugt. Nun also schon wieder Mind Maps. Hunt beschreibt nicht nur die Methodik, sondern auch die Anwendung. Er bringt einige gute (und für mich neue) Ansätze, wie man Mind Maps anwenden kann.

Ich gab Mind Maps nochmals eine Chance, als ich für die Entwicklung eines Tools die Anforderungen aus der Spezifikation zusammensuchen musste. Ich war erstaunt wie dies meine Arbeit erleichterte. Es hat sicherlich noch Verbesserungspotential. Aber für den Anfang war das deutlich besser, als was ich bisher machte. Ich werde dies fürs erste weiterverfolgen.

 
Das persönliche Wiki
Der Vorteil von einem Wiki besteht in der Verknüpfung von Informationen. Damit ist es ein ideales Tool um Informationen und Wissen zu speichern. Was im grossen bei Wikipedia funktioniert, kann man auch im kleinen nutzen. Ein persönliches Wiki dient dabei zum ablegen von all den Ideen, Gedanken und Fakten, die man für „speichernswert“ hält.

Ich startete mein persönliches Wiki im Mai 2005. Mich sprach damals DokuWiki am meisten an und so ist es auch heute noch. Das Wiki ist sehr einfach zu bedienen, bietet alles was ich brauche und lässt sich mit unzähligen Templates seinem Geschmack anpassen.

 
Fazit
Das Buch bietet eine gute Zusammenstellung von Ideen für ein optimaleres lernen. Einige sind besser, einige nutzten mir nichts. Auf zahlreiche Ideen bin ich selber gekommen und habe ich erfolgreich umgesetzt. Zu Beginn meines Studiums hätte ich dieses Buch sehr gut gebrauchen können. Jetzt war es eher eine Bestätigung meiner Erfahrungen.

Die Grafiken erwecken oft den Eindruck von einem Entwurf. In einem fertigen Buch bin ich mir bessere Grafiken gewohnt und fand die teils schwer entzifferbaren Texte der Bilder mühsam. Die durch den grauen Hintergrund unübersehbaren „Seitentexte“ störten meinen Lesefluss. Mehr Tiefe im Hauptteil und weniger Seitentexte würden das Buch auch für Einsteiger attraktiver machen.

 
Zum Buch
Pragmatic Thinking & Learning – Refactor Your Wetware“ von Andy Hunt, 2008 The Pragmatic Programmers, ISBN 978-1-934356-05-0, 288 Seiten