Archiv

Artikel getaggt mit ‘Ruby’

Empfehlenswerte Podcasts rund um Ruby

Das Ökosystem rund um Ruby entwickelt sich sehr schnell. Dies zeigt dass sich viele Leute dafür interessieren und auch mit der Sprache arbeiten. Wenn man aber erst daran ist sich in Ruby einzuarbeiten ist dies eine Herausforderung. Sobald man für ein Problem eine Lösung gefunden hat stösst man auf einen Blogpost der vom verwendeten Gem abrät oder man sieht eine viel einfachere Lösung.

Um auf dem Laufenden zu bleiben haben sich für mich Podcasts als sehr hilfreich erwiesen. Da ich wohl nicht der einzige bin der versucht sich in Ruby zu Recht zu finden möchte ich hier einige Podcasts vorstellen.

 

Ruby 5
Jeweils am Dienstag und Freitag liefert Ruby 5 eine kurze Übersicht zu den wichtigsten News rund um Ruby, Rails und hilfreiche Gems. Die Folgen dauern im Schnitt 5 Minuten und nennen die wichtigsten Punkt der Änderungen. In 5 Minuten bleibt keine Zeit um Details zu liefern, dafür ist es aber kurz und man braucht nicht viel eigene Zeit zu investieren.

 

The Ruby Show
Jeden Freitag wird eine Folge von “The Ruby Show” veröffentlicht. In 20 – 30 Minuten wird detailliert auf die News der Woche eingegangen. Die Themen sind oft ähnlich wie bei Ruby 5, werden aber mit mehr Tiefe behandelt.

 

Railscasts
Ryan Bates veröffentlicht jede Woche kurze Videos (10 – 15 Minuten) rund um Ruby on Rails. Thematisch variieren diese Videos vom Aktualisieren von Rails über Authentifizierung bis zu JavaScript. Ausgangslage ist immer eine Rails basierte Anwendung die um neue Funktionen ergänzt werden soll.

Wem die Videos gefallen kann für 9$ pro Monat jede Woche zwei zusätzliche Videos haben. Gerade die aktualisierten Folgen sind sehr praktisch, da in der Zwischenzeit oft sehr viel geändert hat.

 

Ruby Rogues
Ruby Rouges ist eine wöchentliche Diskussion rund um Ruby. Ich fand diesen Podcast zuerst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Mir schien es ein wildes Durcheinander zu sein. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran und erkennt das grosse Wissen der Teilnehmer.

Jede Folge hat ein Hauptthema und daraus entwickelt sich jeweils schnell eine angeregte Diskussion. Dabei können dann die unterschiedlichsten Punkte diskutiert werden.

 
 

Soweit die Podcasts die ich häufig höre. Falls jemand weitere Podcasts empfehlen kann würde ich mich über einen Kommentar freuen.

 

Kategorien:webRuby Schlagworte:

Buch-Rezension zu “Rails 3 in Action”

Rails 3 in Action” von Ryan Bigg und Yehuda Katz erschien im September 2011 bei Manning. Ein Buch für Einsteiger in Rails kam mir gerade sehr gelegen, da ich nach einigem Experimentieren mit Ruby nun gerne eine Webanwendung mit Rails entwickeln wollte.

Dieses Buch liest sich sehr flüssig und man bemerkt schnell dass die Autoren wissen wovon sie schreiben. Will man das gelesene aber selber umsetzen bemerkt man leider ebenfalls sehr bald die ersten Probleme. Wichtige Punkte und Details werden erwähnt, aber nicht wirklich gut hervorgehoben. Oft bemerkt man die entscheidenden Stellen so erst nach längerer Fehlersuche im selber geschriebenen Code.

 

Von rails new bis zum deployment

Durch das ganze Buch hindurch wird ein Issue-Tracking-System Schritt für Schritt aufgebaut. Man beginnt mit rails new und bekommt im weiteren Verlauf gezeigt wie man mit dem MVC-Pattern eine Webanwendung entwickelt.

Neben einfachen CRUD-Oberflächen (zum Erstellen, Anzeigen, Editieren und Löschen von Objekten) wird auch auf verschachtelte Ressourcen eingegangen. Wie man Benutzer Authentifiziert und Autorisiert fehlt ebenso wenig wie das Versenden von E-Mails.

Hat man seine Anwendung zusammen muss diese auch deployt werden. Neben einer Anleitung zum Konfigurieren von Capistrano wird auch erklärt wie man Apache oder Nginx konfigurieren muss, damit die Anfragen an die Rails-Anwendung auch beantwortet werden.

Die Autoren zeigen sehr schön welche Schritte nötig sind um von einer Idee zu einer installierten Anwendung zu kommen. Die einzelnen Schritte sind dabei sehr gut durchdacht und man sieht wie alles zusammen passt. Das Konzept dieses Buches ist top, leider wird durch etliche kleine Fehler der Praxisnutzen bald einmal reduziert.

 

Erst ein Test, dann die Funktionalität

Mit Ausnahme der grundlegenden Erklärung im ersten Kapitel wird über das ganze Buch hinweg immer erst ein Test geschrieben bevor die Funktionalität implementiert wird. Als Werkzeug fürs Behavior-Driven Development (BDD) dienen Cucumber und RSpec.

Mir hat dieser Ansatz sehr gut gefallen. Da es bei Ruby keinen Compiler gibt der einem auf Fehler in der Syntax hinweist sind Tests unabdingbar – ausser man will wirklich bei jeder kleinen Änderung alles manuell durchtesten…

Neben Tests der Weboberfläche wurde auch gezeigt wie man den Versand von E-Mails oder Funktionsaufrufe in JavaScript kontrollieren kann. Diese komplexeren Tätigkeiten werden sonst meist ausgelassen. Hier hat man für einmal alles schön beisammen und auch verständlich erklärt.

Sehr gut fand ich auch dass nach jedem Teilschritt immer gleich ein commit ins Git-Repository gemacht wurde. So gewöhnt man sich schnell an dieses Versionierungssystem und bekommt ein Gefühl dafür wie oft man committen sollte.

 

Lange Entstehungsgeschichte

Das Buch wurde 2008 gestartet und hatte ursprünglich Merb als Thema. Als Merb Ende 2008 in Rails aufging wechselte auch der Fokus des Buches. Die lange und wechselhafte Geschichte bemerkt man als Leser stellenweise auch im fertigen Buch.

Als Beispiel: Die Funktion f.error_messages wird zum Anzeigen der Fehler in Formularen verwendet. Mit Rails 3 wurde diese Methode entfernt und ist nun nur noch über ein zusätzliches Plug-in nutzbar. Ich hätte es begrüsst wenn man statt dem Plug-in gleich die aktuelle Variante von Rails verwendet hätte.
Gleiches gilt für die Syntax der Migration-Dateien. Was im Buch steht hat nicht viel mit dem Gemeinsam was einem Rails 3.1 generiert. Dies verwirrt den Leser nur unnötig.

 

Cucumber entfernt die Stützräder

Anfangs Oktober 2011 entschied man sich bei Cucumber-Rails die Hilfsfunktionen in web_stebs.rb zu entfernen. Die darin enthaltenden Schrittdefinitionen ermöglichen einem einen schnellen Einstieg in Cucumber, entsprechen aber nicht ganz dem Sinn von BDD. Da viele Tests aus diesem Buch darauf aufbauen hat man nun ein Problem wenn man versucht die Beispiele umzusetzen.

Im Forum zum Buch gibt es bereits einige Links zu Beispielen die die nötigen Änderungen aufzeigen. Ich finde diese Tests lesbarer als was im Buch steht – von dem her kann ich die Begründung für die Änderung in Cucumber nachvollziehen. Wem ein Umbau zu viel Aufwand ist kann in seinem Gemfile die letzte Version von Cucumber-Rails mit web_stebs explizit angeben:

gem 'cucumber-rails', '1.0.6'

 

Was mir fehlt

Entwickelt man eine ganze Anwendung streng nach Test-First hat man am Ende genau den Code geschrieben der gemäss den Anforderungen nötig ist. Gibt es keine Anforderungen an die Oberfläche sieht diese am Ende sehr trist aus. Auch wenn das Thema Rails und nicht CSS ist, ich hätte es sehr begrüsst wenn man in einem Kapitel auf die Gestaltung der Oberfläche eingegangen wäre. Nur ein Link auf eine CSS-Datei ohne grosse Erklärung finde ich ein wenig mager.

Die letzten beiden Kapitel zu Engines und Rack-basierten Applikationen passten für mich nicht wirklich ins Buch. Statt diesen Spezialthemen wäre mir ein Kapitel über das Debuggen einer Rails-Anwendung oder eine Hilfestellung für die häufigsten Probleme lieber gewesen.

In die Probleme rennt man spätestens wenn man die Anwendung in der Produktionsumgebung startet. In Rails 3.1 wurde die Asset Pipeline eingeführt. Da diese nur in der Produktion aktiv ist bemerkt man beim Programmieren und testen nichts. Die Probleme treten erst auf wenn man auch gleich noch mit der Konfiguration des Webservers am kämpfen ist…

Ohne zusätzliche Unterlagen bleibt man so auf der Zielgerade liegen. Dies finde ich für ein Buch das von „Leadern“ der Rails-Community für Anfänger geschrieben wurde sehr schlecht. Ich verstehe das sich Rails sehr schnell entwickelt und man nicht alles zum vornherein beachten kann. Aber mindestens in die Errata müssten solche Sachen zügig aufgenommen werden, nicht erst nach einigen Wochen oder Monaten. Macht man auch dies nicht darf einem eine schlechte Bewertung bei Amazon nicht erstaunen.

 

Fazit

Rails 3 in Action liest sich flüssig und setzt kein grosses Vorwissen voraus. Der Ansatz alles mit Test-First zu machen finde ich gut, durch die Änderungen an Cucumber sollte man das Buch aber sehr bald überarbeiten.

Ich konnte mein Ziel erreichen und meine eigene Rails-Applikation mit dem hier gelernten umsetzten. Bis diese aber in einer Produktionsumgebung lief hatte ich viele Probleme zu lösen für die mir dieses Buch keine Antwort liefern konnte.

Viele kleine Fehler (und einige grosse Lücken) machen ein sehr gutes Buchkonzept schnell zunichte. Mir bleibt die Hoffnung auf eine Version 2 die dieser Probleme behebt. Bis dahin kann ich dieses Buch Anfängern leider nicht weiterempfehlen.

 

Zum Buch

Rails 3 in Action” von Ryan Bigg und Yehuda Katz, 2011 Manning, ISBN: 978-1-93518-227-6, 592 Seiten, Englisch

Kategorien:Bücher, Ruby, webRead Schlagworte: ,

Buch-Rezension zu “Programming Ruby 1.9 (3th edition)”

Programming Ruby 1.9” von Dave Thomas, Chad Fowler und Andy Hunt erschien im April 2009 bei The Pragmatic Programmers. Die 3. Ausgabe des als PickAxe bekannten Buches (wegen der Spitzhacke auf dem Umschlag) ist die Referenz für Ruby 1.9.

Als Grundlage für die Review nutze ich die fürs 10jährige Jubiläum der 1. Ausgabe aktualisierte Version zu Ruby 1.9.2.

 

 
 

 

Eine Einführung mit vielen Details

Das Buch beginnt mit der Installation von Ruby und führt einem danach Schritt für Schritt durch die Grundlagen dieser Programmiersprache. Die Verwendung von Variablen, Schlaufen und Objekten werden sehr detailliert erklärt.

Das Buch ist definitiv nicht als Schnelleinstieg in Ruby konzipiert. Es sollen viel mehr all die Details vermittelt werden die Ruby zu dem machen was es ist. So geht ein kleines say_goodnight Beispiel dann halt einmal über 3 Seiten. Dafür weiss man danach wieso es kein Return braucht, wie man Lokale-, Klassen-, Instanz- und Globale Variablen auseinander hält und auch gleich noch Texte in Strings ersetzen kann.

Wenn man derart viele Informationen in ein Beispiel packt ist das nicht wirklich etwas für Einsteiger. Ich habe zuerst die Ruby Einführung von “Sieben Wochen, sieben Sprachen” gelesen. Mit dem dort vermittelten Wissen konnte ich dem in diesem Buch recht gut folgen. Hätte ich aber direkt mit “Programming Ruby” begonnen hätte ich wohl schnell einmal aufgegeben.

Das Buch kann man gut mit den Serien Programming XY und Learning XY von O’Reilly vergleichen. Learning XY ist für den Einstieg in die Sprache gedacht, Programming XY um sich mit den Details vertraut zu machen. Und genau das trifft auch hier für “Programming Ruby” zu.

 

API-Referenz: Noch Zeitgemäss?

Gut die Hälfte des Buches ist eine Auflistung der API von Ruby. In einer Zeit als man den Internetzugang noch im Minutentakt abrechnete lieferte diese Referenz einen deutlichen Mehrwert. Heute aber fragt man sich: Wozu?

Webseiten wie Ruby-Doc.org liefern einem nicht nur die Referenz sondern gleich noch Beispiele und Code-Schnipsel die man kopieren kann. In Kombination mit Smartphones die ständig online sind ist eine auf Papier gedruckte API-Referenz wie ein Dinosaurier.

Hinzu kommt das die über 400 Seiten alleine für die API-Referenz auch ihr Gewicht haben. Mal eben das Buch mitnehmen ist so etwas was man sich zwei Mal überlegt.

 

Fazit

„Programming Ruby” wird sehr oft referenziert und als Quelle aufgeführt. Zur Vertiefung von Konzepten und den kleinen Details ist dieses Buch sehr gut geeignet. Was in etlichen anderen Büchern nur kurz angeschnitten wurde wird hier ausführlich und verständlich behandelt.

Das Buch ist meiner Meinung nach aber nicht für Einsteiger geeignet. Dies da man sich mit zu vielen Details beschäftigen muss bevor man mitbekommt was man mit Ruby alles machen kann.

 

Zum Buch

Programming Ruby 1.9 (3th edition)” von Dave Thomas, Chad Fowler und Andy Hunt, 2009 The Pragmatic Programmers, ISBN: 978-1-93435-608-1, 944 Seiten, Englisch

Kategorien:Bücher, Ruby Schlagworte: ,

Buch-Rezension zu “Ruby in Practice”

20. Oktober 2011 2 Kommentare

Ruby in Practice” von Jeremy McAnally und Assaf Arkin erschien im Mai 2009 bei Manning. Das selbstdefinierte Ziel des Buches ist es aus dem Leser einen produktiveren (Ruby-) Programmierer zu machen. In wie weit die Autoren dieses Ziel erreichen können hängt wohl primär vom Leser ab. Unbestritten ist aber die grosse Anzahl verschiedenster Tipps und Tricks die die Arbeit mit Ruby deutlich vereinfachen.

 
 

 

Teil 1: Ruby Techniken

Der erste Teil geht auf die grundlegenden Spracheigenschaften von Ruby ein. Diese kleine Repetition soll einem in Erinnerung rufen was Ruby eigentlich ausmacht. Es geht dabei aber nicht um eine Erklärung für Einsteiger. Es ist vielmehr ein Aufzeigen was man für Möglichkeiten bekommt weil Ruby so funktioniert wie es funktioniert.

Auch das Kapitel übers Testen beinhaltet nichts Revolutionäres. Es wird in einem kurzen Rundgang die einzelnen Ansätze gezeigt die einem zur Verfügung stehen. Dazu gehören neben Unit Tests auch Test Driven Development und Behavior Driven Development so wie eine ganze Packung an Werkzeugen (wie RSpec, Mocha oder rcov). Auch hier liegt der Schwerpunkt beim Aufzeigen der Möglichkeiten und nicht bei einem tiefgehenden Einführungskurs.

Im Kapitel „Scripting with Ruby“ beginnt das Buch auf die praktischen Anwendungsfälle detailliert einzugehen. Als erstes Problem gilt es eine aus diesen Teilen bestehende Aufgabe zu lösen:

  1. Verkleinern der hochauflösenden Ferienfotos
  2. Fotos mit einem Polaroid Effekt versehen
  3. Fotos in die Cloud von Amazon hochladen
  4. jede Stunde auf Twitter ein Foto veröffentlichen

Die einzelnen Teile sind einfach genug um sie zu erklären und zusammen komplex genug um viele Tipps und Tricks aufzeigen zu können. Das Auslagern von Benutzernamen und Passwort in eine eigene Konfigurationsdatei ist einer dieser simplen aber äusserst hilfreichen Tricks.

 

Teil 2: Integration und Kommunikation

Im 2. Teil drehen sich die Beispiele um die Integration von Drittsystemen. Sei dies in dem man Ruby on Rails Anwendungen erweitert, Webservices konsumiert oder E-Mails nutzt um Systeme neu zu starten.

Die Beispiele sind immer nach dem gleichen Muster aufgebaut:

  • Beschreibung der Situation und was genau das Problem ist
  • Erarbeiten einer einfachen und pragmatischen Lösung
  • Diskutieren von alternative Lösungen und Ansätzen

Die Diskussion von Alternativen fand ich persönlich sehr gut. Nicht nur zu wissen wie man es auf eine Art machen kann sondern auch zu erfahren was sonst noch möglich ist finde ich äusserst hilfreich.

 

Teil 3: Daten und Dokumente

Der letzte Teil zeigt wie man Daten speichern und Dokumente verarbeiten kann. Als Datenquelle kann dabei von einer Datenbank bis zu XML- oder YAML-Dateien alles dienen. Zahlreiche Beispiele zeigen die verschiedenen Ansätze auf und in der Diskussion werden wiederum die Vor- und Nachteile eingehend betrachtet.

In diesem Teil wird ebenfalls die Identifizierung und Autorisierung von Benutzern behandelt. Dabei wird besonders Wert darauf gelegt das man Passwörter nicht im Klartext speichert. Es braucht nur wenigen Zeilen zusätzlichen Code und Rails speichert nur noch den Passwort-Hash (jeder mit individuellem Salt) ab. Dies ist ein ganz einfacher Tipp mit dem man die Passwörter effektiv schützen kann.

 

Aktualisierung willkommen

Die Programmiersprache Ruby entwickelt sich sehr schnell, gleiches gilt für die Werkzeuge und Bibliotheken rund herum. Einige der Beispiele funktionieren mit der aktuellen Ruby Version nicht mehr und andere sind nur mit grossem Aufwand zum Laufen zu bekommen. Eine Aktualisierung des Buches könnte diese Probleme beheben und auch auf die aktuellen Tools eingehen.

 

Fazit

“Ruby in Practice” ist ein Buch mit sehr vielen praktischen Beispielen. Die behandelten Themen werden so erklärt dass man das dort gewonnene Wissen auch bei anderen Problemstellungen wiederverwenden kann. Gerade die Diskussion der gewählten Lösung und möglicher Alternativen macht aus dem Buch weit mehr als eine Rezeptsammlung. Wenn es auch nicht mehr ganz aktuell ist so gibt das Buch doch sehr viele Ideen um Probleme aus einer anderen Richtung anzugehen.

 

Zum Buch

Ruby in Practice” Jeremy McAnally and Assaf Arkin, 2009 Manning, ISBN 978-1-93398-847-4, 360 Seiten, Englisch

Kategorien:Bücher, Programmieren, Ruby Schlagworte: , , ,

Buch-Rezension zu “Continuous Testing”

17. Oktober 2011 4 Kommentare

Continuous Testing – with Ruby, Rails, and JavaScript” von Ben Rady und Rod Coffin erschien im Juni 2011 bei The Pragmatic Programmers. Continuous Testing geht noch einen Schritt weiter als Test Driven Development und versucht die Feedback-Schlaufe von Red-Green-Refactor noch mehr zu verkürzen.

[Hinweis: Ich habe dieses Buch über die .Net User Group Bern erhalten, die am User Group Programm von O’Reilly teilnimmt. Wie immer wenn ich über Bücher blogge schreibe ich was mir daran gefällt und was nicht. Dies mache ich unabhängig davon ob ich ein Rezensionsexemplar bekomme oder das Buch selber kaufe.]

 

Continuous Testing?

Bei Continuous Testing geht es um die unmittelbare und automatische Rückmeldung ob die gerade getroffene Entscheidung die Software in die richtige Richtung bringt. Rady und Coffin nutzen das Speichern einer Datei als Taktgeber. Das Speichern (oder genauer die dadurch veränderte Datei) startet im Hintergrund und ohne weiteres Zutun des Entwicklers die automatisierten Tests. Als Entwickler braucht man nur noch die Konsole anzuschauen und sieht anhand der Farben sofort ob die Tests noch funktionieren.

Kontinuierliches Testen kann man wie von den Autoren gleich zu Beginn des Buches erwähnt recht einfach haben:

Open your favorite editor or IDE. Take whatever key you have bound to Save and rebind it to Save and Run All Tests. Congratulations, you’re now testing continuously.

Wer selber schon automatisierte Tests geschrieben hat weiss dass dies damit nicht wirklich gemacht ist: Tests brauchen eine gewisse Zeit um ein Ergebnis zu liefern, es gibt bald einmal Abhängigkeiten mit Umsystemen und wenn man noch GUI-Tests benötigt wird es erst recht aufwendig.

Dies ist auch den Autoren bekannt. Daher steht diese Textstelle auch am Anfang und nicht am Ende des Buches. Es ist nicht das Ziel von Continuous Testing immer alle Tests laufen zu lassen – das ist die Aufgabe von Continuous Integration nach dem commit. Es gibt viele Tests die in sehr kurzer Zeit einem eine grosse Gewissheit geben, dass alles läuft wie es soll. Die Tests gilt es zu finden und häufig auszuführen.

Um einem in die Lage zu bringen diese Tests zu identifizieren und mit einem passenden Ansatz zu testen ist das Buch in 3 Teile gegliedert.

 

Teil 1: Ruby und Autotest

Der erste Teil geht das Konzept Continuous Testing für Ruby an. Autotest wird dabei verwendet um die Dateien zu überwachen und die Tests auszuführen. Mit einfachen Erweiterungen kann man Autotest dazu bringen auch gleich noch die einzelnen Dateien nach TODOs abzusuchen.

Neben den Werkzeugen wird in diesem Teil auch grundlegendes zum Testen vermittelt (wie FIRE: Fast, Informative, Reliable and Exhaustive). Dies bleibt aber oberflächlich und ist vor allem da um das Wissen aufzufrischen (im Sinne von da war doch mal was).

Hilfreicher fand ich wie diese Theorie dann konkret angewendet werden kann. Als gelungenes Beispiel fand ich das Mocken von Twitter oder das Erkunden der API von MongoDB.

 

Teil 2: Rails, JavaScript und Watchr

Im 2. Teil geht es um komplexere Projekte. Bei Rails sind migrations (anpassen der Datenbank) ein Thema das man eingehend testen will. Aber auch JavaScript sollte bereits zur Entwicklungszeit getestet werden. Die so hinzukommenden Abhängigkeiten (Datenbank, Webbrowser, usw.) müssen mit anderen Werkzeugen getestet werden als die einfachen Ruby-Projekte aus dem 1. Teil.

Um die Dateien zu überwachen wird hierfür Watchr vorgestellt. Dieses Tool kann im Gegensatz zu Autotest nicht nur Tests ausführen, sondern jedes beliebige Kommando (wie Beispielsweise die Prüfung von CSS-Dateien mit Sass).

Da mit zunehmender Komplexität die Tests länger laufen muss auch in diesem Bereich etwas gemacht werden. Spork hilft hier indem die Testumgebung nicht bei jedem Testdurchlauf neu initialisiert werden muss.

Das Testen von JavaScript wird auf mehreren Ebenen angegangen. Einfache Dinge die keinen DOM benötigen werden mit Node.js getestet, für die komplexeren Szenarien kommt jsdom zum Einsatz. Für mich hätte man die JavaScript-Tests gerne eingehender behandeln können. So blieben bei mir doch mehr Fragen offen als ich Antworten erhalten habe. Dafür hätte man das Kapitel über funktionales JavaScript im Appendix (Teil 3 des Buches) gerne weglassen können.

 

Ruby-Kenntnisse nötig

Im Gegensatz zu den Autoren bin ich der Meinung dass man die Grundlagen von Ruby kennen muss um dem Buch folgen zu können. Man muss sicher kein Experte sein. Wenn man aber zu einem neuen Konzept auch noch gleich eine neue Sprache lernen soll wird die Lernkurve sehr steil.

Continuous Testing ist ein sprachunabhängiges Konzept und lässt sich somit auch ausserhalb von Ruby und JavaScript nutzten. Um die Arbeitsumgebung aufzuzeigen werden aber sehr viele Werkzeuge eingeführt die spezifisch für Ruby und Rails sind. Ob sich dies wirklich jemand durchlesen will der sich nicht für Ruby interessiert? Ich würde sagen Nein.
Lässt man diese Teile aber weg bleibt vom Buch nicht mehr viel übrig.

 

Fazit

Continuous Testing ist ein interessantes Konzept. Die automatische Testausführung scheint zwar nur ein kleiner Schritt zu sein. Ein klein wenig Code zu schreiben und gleich sehen zu können ob die Tests damit erfüllt sind hat etwas sehr motivierendes. Es bedingt aber das man seine Software testgetrieben entwickeln will.

Will man so Software in Ruby/Rails entwickeln ist dieses Buch ein guter Einstieg. Macht man schon TDD und will von Ruby nichts wissen schaut man sich besser nach einem anderen Buch um.

 

Zum Buch

Continuous Testing – with Ruby, Rails, and JavaScript” von Ben Rady und Rod Coffin, 2011 The Pragmatic Programmers, ISBN 978-1-93435-670-8, 160 Seiten, Englisch

Kategorien:Bücher, Ruby Schlagworte: , ,
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 142 other followers