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Archive for Februar 2010

Bemerkenswerte Links für den Februar 2010

28. Februar 2010 Kommentare aus

Auch im Februar fand ich wieder einige bemerkenswerte Links im Bereich der Medien und Zeitungen. Wünsche viel Spass beim lesen.

 

Warum es dicke Bücher heute schwer haben
Jörg Sundermeier beschreibt den Zustand der Literaturkritik in Deutschland. Und da auch in diesem Bereich mehr und mehr zu uns herüber schwappt, empfiehlt es sich diesen Beitrag durchzulesen. Dies erklärt einige Enttäuschungen, wenn man die so gelobten Bücher dann selber liest.

125 traumhafte deutsche Blogs: It’s only Blog’n’Roll
Die schier unendliche Zahl an Blogs macht es schwer, die wirklich interessanten zu finden. Jürgen Vielmeier stellt 125 Blogs vor, die man anschauen sollte. Vor allem die 25 Perlen sollte man sich nicht entgehen lassen.

Plagiatsfall Hegemann: Das Feuilleton findet Abschreiben ohne Quellenangabe voll OK
Der Kommentar von Wolfgang Tischer beleuchtet den plötzlichen Sinneswandel der Medien, wenn es ums kopieren geht. Für einmal ist es kein Plagiat oder gar eine Raubkopie, hier “gilt Klauen und Neugestalten als Teil der modernen Jugendkultur”. Sehr spannend wie schnell sich Grenzen und Standpunkte verschieben können.

“Wem gehört der Sport? Journalismus, TV-Rechte und die Kontrolle der Bilder im Zeitalter von Twitter”
René Martens zeigt auf, wie sich die Berichterstattung für Sportereignisse im Zeitalter von Twitter und Facebook verändern. Welche Auswirkungen hat es auf Übertragungsrechte , dass Fans Bilder und Resultate quasi in Echtzeit allen zur Verfügung stellen? Gerade in Deutschland gibt es jetzt schon gerichtliche Auseinandersetzungen, bei denen man versucht das Rad der Geschichte zurück zu drehen. Heute gehen die olympischen Spiele zu Ende. Das Thema wird spätestens 2012 in London noch mehr an Brisanz gewinnen. Es bleibt daher spannend, welche Antworten gefunden werden.

Justizministerin: “Daten kann man nicht stehlen.”
Ebenfalls eine interessante Aussage gab es von der deutschen Justizministerin, als es um die gestohlenen Bankdaten ging: “Daten kann man nicht stehlen.” Folgt man dieser Argumentation, kann man Daten auch nicht rauben, wodurch das ganze Thema “Raubkopien” gelöst wäre…
Aber eben, bei gestohlenen Bankdaten herrschen andere Massstäbe.

Die UBS in der Gratispresse
Die Universität Freiburg untersuchte die Berichterstattung zur UBS während des Beginns der Finanzkrise. Verglichen wurden dabei die Zeitungen 20 Minuten und .ch. 20 Minuten hatte “einen nicht unbeträchtlichen Umfang” an Werbung von der UBS, während .ch ohne UBS-Werbung auskam.
Es erstaunt nicht wirklich, dass kein direkter Zusammenhang zwischen Werbung und Berichterstattung nachgewiesen werden konnte. Bei den Berichten kam die UBS bei 20 Minuten aber dennoch besser weg. Auch das erstaunt nicht wirklich.

Zur Karriere eines missbrauchten Buchstabens
Wer regt sich nicht über Bezeichnungen wie BenutzerInnen oder ZuschauerInnen auf? Der Artikel von Marcus Hammerschmitt bei Telepolis liefert einiges an interessanten Hintergründen. Hoffen wir auf das baldige Ende des Binnen-Is.

Hosting-Anbieter für (Open Source) Projekte

15. Februar 2010 Kommentare aus

Vor 10 Jahren war es relativ einfach, einen Hoster für sein Open Source-Projekt zu finden. SourceForge war was den Leistungsumfang und die gebotenen Möglichkeiten betraf der mit Abstand führende Anbieter. Seither ist auch in diesem Bereich die Zeit nicht still gestanden. Neue Anbieter kamen und versprachen revolutionäre neue Ansätze. Wie sieht es heute aus? Wo sollte man mit seinem Projekt hin?
Dies ist für mich nicht nur eine theoretische Frage. Für AtaraxiS brauchen wir einen neue Heimat. Daher habe ich mich umgeschaut und eine Zusammenstellung der meiner Meinung nach derzeit wichtigsten Hoster erstellt.

 
SourceForge
SourceForge ist auch heute noch der grösste Hoster für Open Source Projekte. Derzeit werden wohl gegen 300’000 Projekte gehostet. SourceForge ist sehr bekannt und beherbergt eine ganze Reihe bedeutender Projekte wie Notepad++, phpMyAdmin, SquirrelMail oder CDex.

 
Origo
Origo ist ein relativ junger Dienst, der von der ETH Zürich betrieben wird. Derzeit werden rund 4000 Projekte gehostet, von denen 770 Open Source sind. Als einer der wenigen Hoster ist es bei Origo möglich, auch Closed Source Projekte kostenlos zu hosten.

 
Google Code
Google bietet unter code.google.com seit Mitte 2007 ebenfalls die Möglichkeit, Open Source Projekte zu hosten. Um den Dienst zu nutzen braucht man einen Google-Account, aber nicht zwangsläufig GMail. Derzeit gibt es eine Begrenzung von 1GB für Code und 2 GB für Downloads.

 
CodePlex
CodePlex ist die Hosting Plattform für Open Source Projekte von Microsoft. Neben SVN kann man auch über Mercurial und dem Team Foundation Server auf seine Projekte zugreifen. Der TFS ist eine Plattform für die Softwareentwicklung. Neben der Versionsverwaltung ermöglicht der TFS auch die Generierung von Reports, Issue Tracking und integriert sich voll in Visual Studio. CodePlex ist nicht auf Programmiersprachen von Microsoft begrenzt, sondern steht allen Open Source Projekten offen.

 
GitHub
GitHub bietet einen neuen Ansatz für die Entwicklung. Ähnlich Twitter gibt es eine Timeline und Follower, mit der man sich über den Fortschritt der Entwicklung der einzelnen Projekte auf dem laufenden halten kann. GitHub bietet nur Git als Versionierungssystem an und limitiert die Open Source-Projekte auf 300 MB. (Bei Bedarf kann mehr verlangt werden)

 
Bitbucket
Bitbucket ist für Mercurial was GitHub für Git ist. Auch was das Preismodell betrifft lassen sich die beiden Anbieter vergleichen. Bitbucket ist aber günstiger und bietet derzeit mehr Speicherplatz. Wer mit Mercurial entwickelt sollte Bitbucket als Hoster in Betracht ziehen.

 
Vergleich

Source Forge Origo Google Code Code Plex GitHub Bitbucket
Betreiber Geeknet Inc ETH Zürich Google Microsoft GitHub Inc. Avantlumiere
Hosting Open Source? Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Hosting Closed Source? Nein Ja Nein Nein ab 7$/Monat ab 5$/Monat
SVN? Ja Ja Ja Ja Nein Nein
Andere VCS? Git, Mercurial, Bazaar Nein Mercurial Mercurial, TFS Git Mercurial
Wiki? Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Issue Tracker? Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Forum? Ja Ja Nein Ja Nein Nein
Mailing-Liste? Ja Nein Nein (Google Groups) Ja Nein Nein
File Release? Ja Ja Ja Ja Ja Ja

 
Fazit
Der Leistungsumfang zwischen den einzelnen Anbieter variiert nur minimal. Ein Wiki und ein Issue Tracker gehören ebenso wie der Download-Bereich zum Grundangebot. Subversion wird abgesehen von Bitbucket und GitHub von allen unterstützt.

Die gute Nachricht: Das Grundangebot deckt die meisten Anforderungen ab und man kann frei zwischen den Anbietern wählen. Erst wenn man nicht mit Subversion entwickeln will oder ein Closed Source Projekt hat, lichtet sich der Markt.
Dies bedeutet aber auch, dass es nicht mehr wirklich einen Standardanbieter gibt. Bei den heutigen Suchmaschinen ist es aber kein Problem ein passendes Projekt zu finden, egal wo dies liegt.

Wo soll man nun also mit seinem Projekt hin? Dorthin wo es einem am besten gefällt. AtaraxiS wird aus dem Grund in den nächsten Wochen zu Origo umziehen.

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Buch-Rezension zu “The Pragmatic Programmer”

9. Februar 2010 Kommentare aus

The Pragmatic Programmer: From Journeyman to Master” von Andrew Hunt und David Thomas erschien 1999 bei Addison Wesley. Seit seinem Erscheinen ist dieses Buch viel zitiert worden und wird immer wieder als “Must-Read” aufgeführt. Bei all diesen positiven Kommentaren war ich sehr auf das Buch gespannt.

Das Buch ist sehr einfach zu lesen. Die Kapitel sind zwischen 5-10 Seiten und in sich abgeschlossen. Man kann somit problemlos im Buch hin und her springen, ohne etwas zu verpassen. Am Ende jedes Kapitels gibt es eine Liste mit weiterführenden Kapitel zu ähnlichen Themen.

Die behandelten Bereiche reichen vom verhindern von dupliziertem Code (DRY-Prinzip) bis hin zu pragmatischen Teams. Der Inhalt ist in diese 8 Teile gruppiert:

  1. Eine pragmatische Philosophie
  2. Ein pragmatischer Ansatz
  3. Die Basis-Tools
  4. Pragmatische Paranoia
  5. Biegen oder Brechen
  6. Während dem Programmieren
  7. Vor dem Projekt
  8. Pragmatische Projekte

 
“The cat ate my source code”
Diese kleine Abwandlung von “Mein Hund hat meine Hausaufgaben gefressen” soll verdeutlichen, dass jeder für seine Handlungen Verantwortung übernehmen muss. Der dazugehörige Tipp besagt, dass man Optionen anbieten soll, keine Ausreden. Dieser Tipp mag banal tönen, doch wie oft erlebt man das Gegenteil? Auch wenn man dies als gegeben erachtet, so ist es noch lange keine Selbstverständlichkeit. Anhand alltäglicher Situationen wird aufgezeigt, wie man diesen Tipp anwenden kann. Es wäre so einfach…

 
“Don’t live with broken windows”
Die “Broken Windows Theory” der Polizei von New York wird ebenfalls kurz angesprochen. Die Theorie besagt, dass ein zerbrochenes Fenster in einem Haus eine Spirale der Verwahrlosung startet, die am Ende die Kriminalität im ganzen Viertel erhöhen kann. Wie dies? Das erste zerbrochene Fenster zeigt, dass sich niemand um das Haus kümmert. Mehr und mehr Fenster gehen kaputt und es beginnen grössere Sachbeschädigungen. So geht es dann weiter und weiter.
Bei Code ist dies genauso. Kümmert sich niemand um die Qualität, beginnt der Code zu faulen. Wie auch bei den Fenstern ist es beim Code wichtig, sofort einzugreifen wenn die “Zerstörung” beginnt.

 
Prototypen und Tracer Bullets
In der Industrie ist klar, was ein Prototyp ist: ein für einen spezifischen Zweck funktionierendes Versuchsmodell. In der IT ist es meistens ein nicht wirklich funktionierendes Stück Software, das dennoch eingeführt wird. Muss dies wirklich so sein? Hunt und Thomas liefern eine bessere Definition. Um die 2 gegensätzlichen Verwendungen klar zu trennen, nutzen sie Prototypen und Tracer Bullets.

Ein Prototyp dient dazu, einen Sachverhalt zu klären und am Ende weggeworfen zu werden – also so wie in der Industrie. Die Tracer Bullets sollen dagegen verwendet werden, um mit minimalem Aufwand eine durchgängige Lösung zu erarbeiten. Die “Bullets” dienen als Grundlage für den Ausbau und werden eingeführt.
Worin liegt nun der Vorteil? Wenn man unterschiedliche Dinge auch unterschiedlich benennt, hilft dies beim Verständnis. Mixt man die Begriffe nicht mehr durcheinander, wird klar was man erreichen will. Wird der Prototyp weggeworfen, braucht man sich nicht um Authentisierung und Logging zu kümmern. Weiss man aber, dass man an einer ” Tracer Bullet” arbeitet, muss man diese Dinge von Anfang an berücksichtigen.

Dinge klar zu benennen ist wichtig, nicht nur bei diesen beiden Begriffen.

 
Fazit:
Das Buch bietet einige sehr passende Bilder um Sachverhalte zu beschreiben. So sei die Software-Entwicklung weniger mit der Konstruktion von Gebäuden zu vergleiche, als vielmehr mit Gartenarbeit. Software “wächst” und einige Produkte blühen, andere gehen direkt auf den Kompost.
Auch wenn diese Bilder sehr gut die Idee vermitteln, so sind die Kapitel doch viel zu kurz und oberflächlich. Als Wegweiser mag dies genügen, doch um wirklich damit zu arbeiten fehlt einfach zu viel.

Angesichts der unzähligen Referenzen auf dieses Buch bin ich ein wenig enttäuscht. Bei seinem Erscheinen muss das Buch neue Massstäbe gesetzt haben. Allerdings ist in den letzten 10 Jahren in diesem Bereich viel geschrieben worden. So finde ich Clean Code deutlich besser als The Pragmatic Programmer. Dieses Buch ist sicherlich lesenswert, aber ich würde es nicht als ein “Must Read” bezeichnen.

 
Zum Buch:
The Pragmatic Programmer : From Journeyman to Master” von Andrew Hunt und David Thomas, 1999 Addison Wesley, ISBN 978-0-201-61622-4, 320 Seiten

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